Freiwillige Feuerwehr muss auf Jahreshauptversammlung verzichten

Rechenschaftsbericht hier in medialer Form

Erstmalig konnte in diesem Jahr keine Jahreshauptversammlung der FF Kitzscher stattfinden. Deshalb informiert der Wehrleiter Marco Baaske hier im Amts- und Informationsblatt der Stadt Kitzscher die Bürgerinnen und Bürger erstmals umfassend über die Ereignisse aus dem Jahr 2020. Es war für alle, insbesondere auch für die Kameradinnen und Kameraden ein sehr schwieriges Jahr, verbunden mit sehr vielen Einschränkungen, Entbehrungen, Emotionen, Verzicht und vor allem neue Regeln.

Keine Übungen, keine Lehrgänge, keine Beförderungen, keine Ehrungen und auch keine Veranstaltungen. Für die Feuerwehr Kitzscher ist das Corona – Jahr 2020, wie für alle Feuerwehren und Hilfsorganisationen im Land, in vielerlei Hinsicht eine besondere Herausforderung. Diese Pandemie hat 2020 die Welt verändert. Auch die Arbeit der Feuerwehr musste darunter leiden und wird in Zukunft nicht mehr dieselbe sein. Wir haben leider Kameraden in der Alters- und Ehrenabteilung verloren. Die Arbeit der Jugendfeuerwehr ist zum Erliegen gekommen, die Mühen der letzten Jahre und Jahrzehnte vielleicht zerstört. Die Zeit nach der Pandemie wird zeigen, wieviel Kinder wieder zu uns stoßen. Die Corona-Krise hatte und hat bis heute enorme Auswirkungen auf den Dienstbetrieb der Feuerwehr als wichtigen Bestandteil der kritischen Infrastruktur. Um die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten und eine Ausbreitung des Virus innerhalb der Feuerwehr zu verhindern, ruhte zeitweilig der Übungs- und Ausbildungsdienst. Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene wurden eingestellt. Um auch die Ausbreitung in den Reihen der Einsatzgruppe zu verhindern, wurde darauf geachtet, dass die Hygienemaßnahmen und -konzepte konsequent umgesetzt wurden. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr für ihre besonnenes und diszipliniertes Verhalten während dieser schweren Zeit bedanken. Persönliche Empfindungen, persönliche Meinungen und der persönliche Umgang mit dieser Pandemie mussten zum Leidwesen des einen oder anderen in den Hintergrund treten, da wir uns dazu verpflichtet haben, die Einsatzbereitschaft stets aufrecht zu erhalten. Getreu unserem Wahlspruch: „Gott zu Ehr dem nächsten zur Wehr“.

Im Zuge der landesweit getroffenen Vorkehrungen zur Verringerung der Pandemie-Beschränkungen wurde der Übungs- und Ausbildungsdienst von Anfang März bis Mitte Juni eingestellt. Ab Mitte Juni wurde der Dienst stufenweise unter Beachtung strengster Hygienevorschriften in begrenzter Teilnehmerzahl wieder durchgeführt. Dabei wurde der Zug Kitzscher in 2 Gruppen zu je 17 Kameraden geteilt. Es zeigte sich, dass diese Form der Ausbildung seine Vorteile hat. Jeder Einzelne wird stärker gefordert, die Ausbilder können die Schulungen intensiver ausführen und auf jeden Einzelnen besser eingehen. Die Freude der vorgeführten Ausbildung währte nur kurz, denn mit rasant steigenden Fallzahlen wurde erneut Ende Oktober die Übungs- und Ausbildungsdienste eingestellt. Ein Zustand, welcher bis vor kurzem anhalten sollte.

Ein durchschnittliches Einsatzjahr bescherte uns 35 Einsätze. Ausgelöste Brandmeldeanlagen, Menschenrettungen in Form von Tragehilfen, Wohnungsöffnungen, Verkehrsunfälle, Brände sowie viele weitere kleinere Einsatzarten bestimmten dabei das diesjährige Einsatzgeschehen. Ein ungewöhnlicher Einsatz ereignete sich dabei gleich zu Jahresbeginn. Dort bekamen wir die Meldung über undefinierbaren Geruch in einer gastronomischen Einrichtung. Nicht das etwa der Koch zu schlecht gekocht hätte, nein, in der Einrichtung wurde allem Anschein nach Buttersäure verteilt. Wir belüften die Räumlichkeiten, klärten die Nachbarn auf und übergaben die Einsatzstelle der Polizei für weitere Untersuchungen. Im Februar gab es den Einsatz mit dem kürzesten Anfahrtsweg in der Geschichte der Feuerwehr Kitzscher. Dabei ereignete sich ein schwerer Verkehrsunfall in direkter Nähe des Feuerwehrgerätehauses. Dort war eher Fingerspitzengefühl als die technische Hilfeleistung gefragt. Dabei übernahmen die Kameraden die Erstversorgung der aus den Fahrzeugen befreiten Personen und betreuten diese bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. Ein sehr emotionaler Einsatz, da eine verunfallte Person hoch schwanger war und diese wissen wollte, wie es ihrem Baby geht. Nach heutigem Wissensstand haben alle Beteiligten den Unfall gut überstanden und konnten sich von den Unfallschäden erholen.

Eine Einsatzart, welche eher in alten Zeiten verortet ist, rief uns im zurückliegenden Jahr 2-mal auf den Schirm. Ein sogenannter Schornsteinbrand setzte die Einsatztruppe im Februar nach Beucha und im Oktober nach Trages in Bewegung. Gerade die jüngeren Kameraden konnten dabei wertvolle Erkenntnisse erlangen, wissen in Zukunft, wie man sich in solchen Einsätzen verhält. Der letzte Notruf, rief uns in der Silvesternacht um 21:30 Uhr zum Kreuzungsbereich Kitzscher/Braußwig. Schon bei der Anfahrt zum Gerätehaus war ein großer Feuerschein zu sehen. Bei der Anfahrt an die Unfallstelle war zu erkennen, dass ein PKW gegen einen Baum gefahren war und sich im Vollbrand befand. Im verunfallten Pkw befanden sich glücklicherweise keine Person mehr, am gesamten Unfallort jedoch ebenfalls nicht, sodass die flüchtigen Personen durch die Polizei gesucht werden mussten. Ein Ausbrennen des Wagens konnte nicht mehr verhindert werden. Nach den Löscharbeiten konnte gegen 23:00 Uhr die Unfallstelle an die Polizei übergeben werden. Die restlichen Einsätze unterschiedlichster Art verteilten sich auf das übrige Jahr.

Auch das kulturelle Leben ist quasi über Nacht zum Erliegen gekommen. Die einzige Veranstaltung, welche durchgeführt werden konnte, war Anfang des Jahres noch das traditionelle Hohenneujahrsfeuer, welches wir am 04.01.2020 organisierten und durchführten. Eine gelungene Veranstaltung, wo noch niemand wusste, was sich auf der Welt ereignet und welchen Einfluss dies auf unser aller Leben haben wird. Wir hoffen alle, dass wir bald wieder miteinander feiern und die Kameradschaft pflegen können.

Das war das besondere Jahr 2020. Wehrleiter Marco Baaske mit persönlichen Worten abschließend: „Ich möchte mich speziell bei all meinen Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Kitzscher ausdrücklich bedanken, welche unter den Corona bedingten Umständen die von Ihnen geforderten Schutzmaßnahmen ohne großes Meckern umgesetzt und somit die Einsatzbereitschaft aufrechterhalten haben. Diesen Dank übermittelte ich nicht nur in meinem eigenen Namen, sondern nach vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt ausdrücklich aus den Reihen der Bevölkerung von Kitzscher.“

„Nun ist das erste Halbjahr bereits so gut wie Geschichte und die Einschränkungen werden derzeit gelockert. Dennoch möchte ich an dieser Stelle das geplante Feuerwehrfest für dieses Jahr absagen, da eine Planung mit benötigtem Vorlauf unter den derzeitigen Bedingungen nicht möglich ist.“, so Marco Baaske weiter. Abschließend sagte der Wehrleiter: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Dieses Sprichwort soll auch für uns zählen. Wir hätten in diesem Jahr unser 80-jähriges Bestehen, sowie 25 Jahre Jugendfeuerwehr feiern können. Dies möchten wir im kommenden Jahr mit den Kameraden und der Bevölkerung der Stadt Kitzscher nachholen. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Kitzscher freuen sich jetzt schon auf ein buntes Fest mit vielen Gästen.“

Der Wehrleiter der Stadt Kitzscher
Marco Baaske