Nikolaikirche

Nikolai – Kirche zu Kitzscher

In einem Rundschreiben teilte das Evangelisch-lutherische Pfarramt Kitzscher 1959 mit: „Der alte Name der Kirche zu Kitzscher ist im vergangenen Jahr auf Beschluss des Kirchenvorstandes wieder eingeführt worden. Somit heißt sie jetzt 'Nikolaikirche zu Kitzscher’." Seit 1990 ist die Figur des Heiligen Nikolaus auch im Wappen der Stadt Kitzscher enthalten.

Das älteste, architektonisch und kunst-geschichtlich wertvollste und zugleich schönste Gebäude in Kitzscher ist die Kirche. Von einigen unwesentlichen Veränderungen abgesehen, steht die Kirche heute so, wie sie 1685 im Renaissance-Stil gebaut wurde. Das gotische Gewölbe im Altarraum dürfte ins 16. Jahrhundert (um 1550) zurückreichen. In einem Ablassbrief, ausgestellt am 28. März 1480 in Rom, mit einer handschriftlichen Anmerkung des Bischofs Thilo von Merseburg wird ein Ablass für 100 Tage ausgeschrieben für alle (Einwohner und Pilger), die an vier bestimmten und weiteren nicht einzeln genannten kirchlichen Festen am Gottesdienst teilnehmen und „zur Wiederherstellung […] ihre Hände zur Hilfe dargereicht haben“. Das bedeutet, dass die Kirche Kitzscher 1480 wohl schon seit längerer Zeit faktisch in Trümmern lag, mindestens irreparabel war und neu gebaut werden musste.

Verwüstung durch Hussiten-Kriege

Zerstört wurde die Kirche wohl durch die Hussitischen Kriege, die 1420 begannen und 1436 endeten. Wann die 1430 zerstörte Kirche gebaut worden war, wann also die 1. Kirche in Kitzscher gegründet und geweiht wurde, ist urkundlich nicht nachweisbar. Man darf annehmen, dass es eine bescheidene romanische Feldsteinkirche mit Balkendecke war, die eher vor als nach 1150 gegründet, gebaut und dem Heiligen Nikolaus geweiht wurde. Der Innenraum der Kirche bildet mit seinem gotischen Altarraum und Renaissance-Kirchenschiff eine gelungene und wohltuende Einheit. Der relativ kleine Kirchenraum schafft für die Gemeinde Nähe und Wärme, zugleich aber schafft der Raum Höhe und Weite, und mit seinen Gewölben vermittelt er unaufdringliche Feierlichkeit. Die starken Mauern geben das Gefühl der Zuflucht und Geborgenheit, zugleich aber weisen die schlichten, weiten Renaissancefenster nach außen. Der Raum ist ein selten gutes Beispiel für gelungene Einheit von heimeligem Gemeinderaum und Stein gewordener Anbetung Gottes.

Kunstwerke der Kirche

Der Freude der Gemeinde und der Ehre Gottes in gleicher Weise dienen die Kunstwerke in der Kirche: Die beiden barocken Tafelbilder „Santa Katharina" und „Santa Barbara" konnten zu unserer großen Freude und Erleichterung im Landesamt für Denkmalschutz Dresden im Rahmen einer Prüfungsarbeit kostenfrei restauriert werden. Die Kirchgemeinde hätte dazu niemals die finanziellen Mittel aufbringen können. Die frühgotischen Plastiken „Maria mit dem Jesuskind" und „Santa Margaretha" müssten ebenfalls dringend restauriert werden, aus oben genannten Grund ist das aber in absehbarer Zeit unmöglich.

Der weit bekannte „weinende Engel von Kitzscher" dürfte zu einer Kreuzabnahmegruppe gehört haben, unter Umständen zusammen mit den beiden Putten auf den Säulen links und rechts vom Altar, bei denen schon die jetzige Art der Anbringung deutlich macht, dass sie ursprünglich in einen anderen Zusammenhang gehörten.
Mehr historische als kunstgeschichtliche Bedeutung hat die wunderbar gearbeitete kleine Tafel in der Patronatsloge aus dem Jahr 1495, auf der sieben Söhne den Dank an ihren Vater Georgius von Kitzscher in Marmor meißeln ließen. Der ausgezeichnete Erhaltungszustand lässt darauf schließen, dass die Tafel schon immer ihren Platz im Inneren der 1480 gebauten Kirche hatte.

Taufstein

Aus der 1. Kirche (der 1430 zerstörten) dürfte der wunderschöne romanische Taufstein aus Rochlitzer Porphyr stammen. Er war im Gelände des Pfarrhofes vergraben und diente als Wasserbehälter, bis ihn Pfarrer Groß restaurieren und wieder in der Kirche aufstellen ließ. Der Taufstein ist der älteste Gegenstand der Kirche Kitzscher.

Glocken

Drei Bronzeglocken läuten im Turm der Nikolai- Kirche. Zwei der Glocken, die die Kirche früher besessen hatte, mussten im Kriegsjahr 1942 abgegeben werden. Die noch verbliebene Glocke aus dem Jahr 1853 wurde 1964 durch eine zweite aus dem devastierten Ort Tauchenau ergänzt. Eine dritte ist als Neu Guss 1974 in der Apoldear Glockengießerei entstanden. Sie trägt die Innenschrift „Christus ist unser Friede". Noch bis 1998 wurden die Glocken von Hand geläutet. Durch eine Spendensammlung unter Pfarrer Gerhard Grunert wurde die Finanzierung eines elektronischen Geläuts möglich.

Orgel

Die Orgel in Weiß und Gold gehalten, ein frühes Werk von Urban Kreuzbach, Borna, wurde 1856 vom Mühlenbesitzer Carl Friedrich Kasten, Kitzscher, gestiftet. Die Orgel wurde vor zwei Jahren generalgereinigt.

Erbbegräbnis

Im Eingangsbereich zum Friedhof ist das Erbbegräbnis der Familie von Armin angelegt. Die Statue am Grabmal verkörpert die Trauer. Von Armins waren die letzten Rittergutsbesitzer, die diese Grabstätte nutzten. Bis 1945 waren sie in Kitzscher ansässig.

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