Schneckenwunderland

Wenn das Heimatmuseum Kitzscher am 18. September 2022 die neue Ausstellung eröffnet, rückt ein Kleinod der Natur in den Fokus, welches sich lautlos und oft von uns unbemerkt bewegt und dennoch stets an unserer Seite ist. Die Schnecke.

Anke Wolf, Autorin der Ausstellung, ist schon immer fasziniert von diesen winzigen Bauwerken der Natur und hat sich wiederholt mit dem Thema auseinandersgesetzt. Sie stellt zum wiederholten Male in Kitzscher aus. SommerNachlese hieß ihre Ausstellung 2004 im Heimatmuseum Kitzscher, in der es ein Sammelsurium aus Schnecken, Muscheln und Steinen zu sehen gab. Doch dieses Mal war es nicht das Sammeln am fernen Strand, sondern viele Spaziergänge in unserer Region und im nahen Burgenlandkreis, die ihr unzählige Schneckenhäuser der hiesigen Weinbergschnecke bescherten und sie auf die Idee brachten, die kleinen Wunderwerke zu gestalten und zu bemalen. Natürlich wurden nur leere Schneckenhäuser gesammelt, denn die Weinbergschnecke steht unter Naturschutz.

In ihrer Grundform eine Spirale, ist die Schnecke nicht nur ein einzigartiger Architekt und wahrer Baumeister der Natur, sondern zugleich Symbol für Langsamkeit auf der einen, aber auch für Dynamik, Erneuerung, Wachstum und Optimismus auf der anderen Seite. Sie steht zudem für grenzenlose Freiheit, trägt sie doch ihr selbst gebautes Haus immer auf dem Rücken und ist damit jederzeit und allerorts in der Lage, sich zum Schutz darin zu verkriechen. Früher diente sie als Zahlungsmittel, wurde zu Schmuck verarbeitet, lieferte kostbaren Rohstoff wie Purpur und ist nach wie vor Nahrungsmittel. All diese Eigenschaften charakterisieren ihre Rolle in Kunst, Wissenschaft, Geschichte und Literatur. Ob in der Antike oder Renaissance, im Barock oder Rokoko, das Motiv der Schnecke zieht sich bis heute durch alle Epochen. Wir finden Schnecken auf holländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts, bei Malern wie Dali und O’Keefe, bei Klimt, Hundertwasser und Klee; oder eben ganz nah und echt in unseren heimischen Gärten, an Waldrändern und zwischen Weinreben.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass Besucher in der Ausstellung auf Verschiedenes treffen. Anke Wolf hat dazu eigene Werke aus Natur, Malerei, und Fotografie zusammengetragen. Ebenso zu finden sind Arbeiten ihres Mannes Volker Wolf, der seit nunmehr zwei Jahren das Schneckenprojekt begleitet.

Anke Wolf, selbst Inhaberin der kleinen Galerie projekt VIER in der Bornaer Reichsstraße, berichtet von einer steten Nachfrage an den fröhlich bunten Kalkhäusern. Vielleicht, so erklärt es sich die Malerin, ist es für manch einen ein hosentaschengroßes Symbol für Hoffnung in der heutigen Zeit. Denn wie heißt es dazu so treffend in einem Sprichwort: "Wie sich das Schneckenhaus auch windet, die Schnecke findet stets hinaus.“

Willkommen im Schneckenwunderland.

Wolf
projekt VIER